Cape-Epic 2008

Cape-Epic: 966 km, 18 530 hm, 8 Etappen von Knysna nach Lourensford, Kapstadt

 

Ende März 2008 brach ich auf um Südafrikanischen Boden unter die Räder zu nehmen. Mein Rad ließ ich von zu Hause aus per Post schicken. Das sollte eigentlich ein zuverlässiger Weg sein, damit das Rad pünktlich ankommt. Donnerstag kam ich also mit dem Flieger in George an und dank zweier südafrikanischer Starter war auch der Transport nach Knysna dem Startort des Etappenrennens geschafft. Zusammen mit Felix ging es zur Anmeldung und wir holten unsere Startunterlagen als Team bo-racing & rotor-rohloff mit der Startnummer 325 ab.

Zu den Bildern hier entlang.

Danach mussten wir feststellen, dass von meinem Rad keine Spur zu finden war. Der Renn-Manager selbst kümmerte sich und telefonierte mit Post, DHL und wem sonst noch. Doch eine Alternative musste her. Diese fand sich nach einigen Fussminuten auch im Radladen Cycleworx. Eugene gab mir kurzerhand sein Rad für den Prolog am nächsten Tag.

Der Prolog:


52:33,1 – Platz: 28 Kat. und 405 Gesamt

Voller Hoffnung, dass das Rad am Freitag noch kommen sollte ging ich im Prolog mit Turnschuhen und normalen Pedalen an den Start. Das sollte sich noch rächen, denn mein Rad kam nicht und ist auch bis heute noch nicht aufgefunden. Zwar waren wir ganz gut dabei und holten gleich zu Beginn einige der im 30 s Abstand vor uns gestarteten Teams auf, doch bergauf und bergab fehlten Sicherheit und Zug ohne das richtig Schuhwerk und somit fehlten auch einige Minuten, was für die erste Etappe einen der hinteren Startblöcke bedeutete. Also habe ich mir noch am selben Tag neue Radschuhe einen Helm und ein paar Decken als Schlafsackersatz für die Zeltnächte gekauft um wenigstens etwas ausgerüstet an den Start zu gehen. Eine Radhose und zwei Trikots hatte ich zufällig noch im Reisegepäck.

Etappe 1: Knysna – George


7:48:22,2 / 8:40:55,3 – Platz: 24 Kat. und 296 Gesamt

Den Morgen habe ich gleich mal verschlafen. Irgendwie hörte ich meinen Wecker nicht aber bis 3 min vor dem Start haben wir es bis in die Startaufstellung geschafft. Felix war deswegen schon etwas nervös, für mich war das eher das gewohnte Prozedere.
Nun fiel der richtige Startschuss und wir setzen uns auf den noch 950 km und 18000 hm in Bewegung. Nach einem kleinen Kettenhänger an Felix’s Rad in einem Anstieg verloren wir uns allerdings aus den Augen und so verbrachten wir einige Zeit mit warten an unterschiedlichen Orten. Ich habe sogar das Schlussauto gesehen. Da wusste ich dass er nur voraus sein kann und da ich einigen Motorradfahrern Bescheid gegeben hatte kam er mir auch alsbald entgegen. Nach dem Wiederfinden begann aber unsere Aufholjagd, die noch einige Tage anhalten sollte. Obwohl ich erst nach 2 h so richtig auf Renntempo kam konnten wir einige Plätze gutmachen. Vor allem im Flachen und bergab lief es. Nach den 123 km und etwa 3000 hm erreichten wir den ersten Etappenort. Im Ziel erwarteten uns unsere Taschen, die wir gar nicht selbst zum Zelt schleppen mussten. Eugene freute sich dass wir im Ziel waren und kümmerte sich auch um sein Rad und gab Felix Öl für die Gabel. Duschen, Bike-Wäsche und Verpflegung waren auch nicht weit weg.

Etappe 2: George – Calitzdorp


8:06:09,0 / 16:47:04,3 – Platz: 20 Kat. und 221 Gesamt

Dies sollte die schwerste Etappe des ganzen Rennens sein. Sie war auf alle Fälle eine der heißesten. Wieder brauchte ich fast 2 Stunden um endlich auf Touren zu kommen. Nach dem ersten richtigen Anstieg folgte eine richtig lange und schnelle Abfahrt die einfach nur Spaß machte schnell hinabzusurfen über viele Kilometer. Selbst die Begleitmotorräder waren nicht wirklich schneller. Der Hammer sollte zum Nachmittag noch kommen. Ich hatte mich vor der Etappe recht weit aus dem Fenster gelehnt und behauptet, dass das nicht die schwerste je gefahrene Etappe ist. Doch der letzte Berg hatte es wirklich in sich. Vor allem weil an ihm die Luft stand und das Thermometer auf 47° C kletterte. Irgendwie ging es bei mir bergauf nicht so richtig gut, dafür holten wir aber richtig viel Zeit auf den Abfahrten heraus und holten die Teams, die uns am großen Anstieg des Tages stehen ließen, fluchs wieder ein. Am Abend hieß es nach 137 km und 2500 hm Platz 19 in der Gesamtwertung und für den nächsten Tag einen Startblock weiter vorn. Einzig die Schuhe drückten ganz schön, wir mussten unterwegs sogar anhalten um die riesige Blase, die ich mir geholt hatte zu versorgen und die Arme taten von den Abfahrten weh. Irgendetwas klickte bei jeder Radumdrehung, aber es war nichts zu erkennen.

Etappe 3: Calitzdorp – Riversdale


6:32:20,2 / 23:19:24,5 – Platz: 16 Kat. und 202 Gesamt

Schon im ersten Anstieg erkannten wir endlich die Ursache des komischen Reifengräusches, dass wir schon am ersten Tag hörten, aber nicht ausmachen konnten. Der Mantel hatte Blasen geworfen. Wir entschieden aber dennoch durchzufahren. Es war wohl die heißeste Etappe, 46° C im Schatten. Doch nur wo war dieser? Viel trinken sagten wir uns. Am ersten Tag hatten wir noch zu wenig getrunken und verspürten zwischendurch Ansätze zu Krämpfen, die sich aber mit der Flüssigkeitszufuhr abwenden ließen. Doch nun hatten wir übertrieben, denn wir tranken vor allem Isowassser, was uns zum Mittag die Mägen etwas übel nahmen. Die nächsten Tage versuchten wir es dann vorwiegend mit Wasser. Doch durch diese Etappe musste ich durch. Ich hatte Hunger, aber der Magen fand die Energieriegel überhaupt nicht mehr toll. Hier gab es auch eine lange Passage, ein Jeep-Track, an der sich ein Vollgefedertes Rad wohl sehr gut angefühlt hätte. Es war schon ein ganz schöner Kampf, aber wir waren immer noch schneller als unsere Umgebung.

Etappe 4: Riversdale – Swellendam


7:12:03,6 / 30:31:28,1 – Platz: 17 Kat. und 203 Gesamt

Nicht minder hart und die in meinen Augen schwerste Etappe stellte für mich die 4. nach Swellendam dar. Ganz am Ende auf den letzten 10 km gab es noch 3 richtig steile Anstiege von etwa 20 % im Gelände, nach bereits 110 gestrampelten Kilometern. Mit neuen Reifen erreichte ich ein Renntempo schon eine halbe Stunde früher. Ist da ein gewisser Trainingseffekt zu erkennen? Irgendwie war das Gelände gar nicht so entspannend. Eigentlich dem Erzgebirgskamm recht ähnlich, aber eben sehr hart. Die gerissene Kette flickte Felix schnell mit einem Kettenschloss. Doch am Ende, diese letzten 10 km, da konnte ich den Berg nur noch hinaufkrauchen. Es war heiß und ich hatte überhaupt keine Kraft mehr. An diesem Tag waren wir im Ziel beide todmüde und ratzten erstmal im Schatten vor unseren Zelten. Das war verdammt knapp, dass wir das Ziel gesehen haben. Auch auf dieser Etappe hatten wir wieder 1 4/3 h zum ersten Mixed-Team verloren.

Etappe 5: Swellendam – Bredastorp


7:10:38,2 / 37:42:06,3 – Platz: 6 Kat. und 99 Gesamt

Der längste je gefahrene Tagesabschnitt dieses Rennens führte auf technischen und teils sehr sandigen Wegen nach Bredasdorp. Die auf 146 km mit 1800 hm eher flachere Etappe kam mir sehr entgegen und so waren wir an der ersten Verpflegung nahe an der Top10 dran oder gar drinnen. Die Sandpassage war irgendwie relativ schnell überwunden. Wir konnten auch da noch zahlreiche Teams überholen ohne uns zu verausgaben. Das war schon ein schönes Gefühl gerade wo wir uns am Vortag so knapp ins Ziel schleppten und kaum noch krauchen konnten.
Aber irgendwie habe ich wieder verpasst rechtzeitig zu essen. Felix wollte in der Verpflegung schnell weiter, eine Gruppe nutzen, aber ich hätte lieber essen sollen. Somit kam der Hungerast auch sehr schnell. Langsam wurde mir auch klar, warum ich am Tag zuvor so eingebrochen war. Ich hatte sicher einfach zu wenig gegessen. Leider musste man sich auch die Energieriegel selber mitbringen und es gab nur an einem Stand pro Etappe auch mal Bananen und anderes Obst. Einer der ganz wenigen Kritikpunkte an der Rennorganisation. Da wir so gut lagen legten wir uns besonders zum Schluss im schräg von vorn aufliegenden Wind so richtig ins Zeug, wir hatten nichts zu verlieren und würden wohl kaum über irgendwelche Grenzen geraten, die uns das Leben in den nächsten Tagen erschweren würden. Am Ende des Tages bedeutete dies unsere erhoffte Top10-Platzierung und die Top100 unter allen noch im Rennen befindlichen Teams. Jetzt hatten wir in der Mixed-Wertung Gesamtrang 15. Und diesmal auch nur knapp 50 auf die ersten verloren.

Etappe 6: Bredastorp – Hermanus


6:56:44,6 / 44:38:50,9 – Platz:11 Kat. und 143 Gesamt

Wieder einen Startblock vor und noch drei Etappen und das noch die letzte über 100 km. Eine weniger spektakuläre Etappe, eine zum Erholen und vor allem hinten raus zum Rollen. Wir kamen wieder sehr gut in einer der vorderen Gruppen mit. Bis zu den Bergen, dort hatte ich wieder mehr zu kämpfen und Felix durfte mich endlich mal wieder etwas schieben. Das hatte er die Etappen zuvor schon fast verlernt. Die letzen 50 km war gegen den Wind rollen angesagt. Leider verpassten wir einen Zug, aber irgendwann als dann die Schotterstraße zum Waschbrett wurde hatte sowieso nur noch jeder mit sich zu kämpfen. Zugegeben auch hier wäre ein vollgefedertes Rad vermutlich etwas angenehmer gewesen. Insgesamt gab es aber nur zwei Passagen über die 950 km an denen ich das gedacht habe. Ich hatte es nicht und das war auch gut. Am Strand ging es hinein nach Hermanus und auf diesen letzten wieder sehr schweren Kilometern gabelten wir gabelten wir gleich noch zwei andere Mixed-Teams auf, so dass es sogar zu einem Zielsprint kam, den wir für uns entschieden. Es war auch die erste Etappe nach der sich Eugene nicht um sein Rad kümmern musste.

Etappe 7: Hermanus – Oak Valley


5:45:34,9 / 50:24:25,8 – Platz: 13 Kat. und 149 Gesamt

Mit knappen 5 s Vorsprung lagen wir nun auf Platz 14. Den wollten wir eigentlich verteidigen. Klar, es war wieder eine sehr bergige Etappe. Aber ich fühlte mich langsam besser in den Anstiegen und ich kam vor allem auch zeitiger ins Rennen. Das andere Team lag am Tag zuvor noch eine Stunde vor uns.
Nach 40 km hatte ich leider mal wieder einen Kettenriss, der nach etwas Fummelei wieder mit einem Kettenschloss behoben wurde. Letztendlich verloren wir so aber doch 11 min auf das andere Team. Da jedoch scheinbar noch ein anderes Team langsam fuhr oder ganz ausfiel behielten wir unseren 14. Platz.

Etappe 8: Oak Valley – Lourensford


4:06:52,2 / 54:31:18,0 – Platz: 13 Kat. und 159 Gesamt

Auch die letzte eigentlich so kurze Etappe bot noch einmal einiges an Renndramatik für uns. Erst verlor ich meine Trinkflasche, konnte ich aber schnell wieder aufheben, dann nach einem Loch im Mantel was sich mit der eingefüllten Milch aber von innen selbst verdichteten sollte, verlor ich Felix, der in der Zwischenzeit noch mein Hinterrad aufpumpte, während ich mit seinem Rad schon voraus ging. Nun hieß es schnell in die Pedale zu treten, denn auch eine halbe Stunde zu Platz 15 ist schnell verspielt. Relativ bald standen wir aber schon wieder in einem Stau, diesmal vor einem Schlammloch. Felix nutzte die Zeit um mein Hinterread im Rückwärtslaufen nochmals richtig aufzupumpen und danach konnten wir endlich um den Kurs jagen. Er umfasste ja nur noch 61 km, hielt aber dennoch 1800 hm bereit. So gut kam ich die ganze Woche keinen Berg hinauf, die anderen Teams standen förmlich. Und am Ende schafften wir es tatsächlich fast noch unsere direkten Konkurrenten wieder aufzufahren. Schade dass der Defekt und das Malheur mit dem Suchen passierte, sonst hätten wir, was wir uns für die Etappe doch nochmal den Angriff auf Gesamtrang 13 vorgenommen. Aber so haben wir eine zum Abschluss nochmals eine schöne Leistung gezeigt und zählen zu den Finishern des Cape-Epic 2008. Es traten 62 Mixed Teams und insgesamt 600 Teams an. Im Ziel waren derer noch 45 Mixed und insgesamt 433 Teams in der Wertung.

Es war ein genial organisiertes Rennen. Jeden Nachmittag standen für uns die Zelte mit einer guten Matratze bereit. Der Radwaschservice war gut gelaunt und die Jungs an der Taschenausgabe versuchten ständig ihre Be- und Entladerekodzeiten zu brechen. Das Fahrerlager war immer etwas in sich geschlossenes, so dass man sich voll und ganz auf das Rennen konzentrieren konnte, wenn man wollte. Am Abend gab es überzeugende Pasta-Parties, sehr abwechslungsreich und reichhaltig. Und dadurch dass ich ja nun ein Mietrad hatte und sein Besitzer beim ganzen Rennen mitreiste hatten wir auch immer einen guten Mechaniker bei der Hand, der uns auch diese Sorgen nahm.