Die MTBO-WM 2019 lag dieses Jahr in Viborg mit 3:15 h Anfahrtszeit direkt vor der Haustür. Auch bestreite ich sehr viele MTBO’s bei unseren dänischen Nachbarn, so dass ich bestens mit dem Gelände befreundet bin und es fast wie eine Heim-WM anfühlt. Aber nur fast und ich rechnete mir dieses Jahr nicht ganz so große Chancen aus, da das Gelände meist sehr orientierungstechnisch ist und ich im MTBO doch eher von meiner Physis profitiere. Dennoch kein Grund nicht gut vorbereitet auf eine WM zuzusteuern, also nahm ich an Rennen mit was in Dänemark ging zumal das Orientieren und Moutainbiken in den dänischen Wäldern immer sehr viel Spaß macht. Meine Vorbereitungen waren aber das ganze Jahr über vom Winter beginnend nicht ideal. So gab es eine Arbeitstour nach Fiji, auf der ich doch deutlich weniger auf der Rolle trainieren konnte als gewollt. Am Ende der Fahrt und in den Wochen danach war ich immer mal wieder von Erkältungen geplagt. So lief es eigentlich bis in den Mai, inklusive der Deutschen Meisterschaft MTBO. Urlaub, eine weitere Ausfahrt ins schöne Spitzbergen, noch eine kleine Verletzung und keine Rennangebote in der Nähe sorgten für eine richtig lange Rennpause für mich. So war der WM-Sprint im Stadtzentrum von Viborg für mich das erste Rennen seit dem MTBO-Weltcup in Polen zu Pfingsten. Dennoch schaffte ich es eine ganz passable Radform aufzubauen. Nicht Top-End, aber solide.

Samstag wollte ich zum Model-Event für den Sprint mittags in Viborg anreisen. Doch das Auto war gerade voll getankt und ich holte noch ein Päckchen von der Packstation ab, versagte mir das Auto den Dienst. Nachdem ich nach dem Einkauf schon Gänge 1 und 2 nichtmehr einlegen konnte gelang mir das nun auch nicht mit dem Rückwärtsgang. In Vorahnung hatte ich schon eine lange Parklücke genommen und so konnte ich das Auto in der Lücke rückwärts schieben und dann mit Gang 3 nach Hause rollen. Schnell nen Mietwagen gebucht, den ich mittags abholen konnte verlegte ich meine Anreise dann auf den Abend, da auch die Verkehrslage nicht so berauschend war. Somit fehlte mir das Model-Event und die Beschäftigung mit der Karte vor dem eigentlich mir geliebten Sprint. Zu Posten den Posten 1-3 eierte ich dann auch ganz schön über die Karte, danach fand ich jedoch langsam ins Rennen. Immer wieder galt es die Augen offen zu halten und auf der Karte mögliche Hausdurchfahrten zu erspähen. An Posten 13 hatte ich dann einen echten Hänger, die Karte um 90° verdreht und nix passte mehr. Bis ich die Situation verstand und zum richtigen Weg fuhr hatte mich dann auch die nach mir gestartete Tschechin eingeholt. Den Rest des Rennens fuhren wir dann gemeinsam, wobei sie eigentlich die Haupt-O-Arbeit erledigte. Platz 23 sprang für mich heraus, mit jedoch einem gewaltigen Zeitrückstand. Für das erste Rennen und eigentlich auch den ersten richtigen Kartenkontakt ganz solide, aber ausbaufähig.

In die Mittelstrecke nach einem ersten Ruhetag kam ich dann ganz gut hinein. Hier und da ein paar kleine Fehlerchen aber nix großes. In dem kniffligen Gelände von Ebeltoft würde kaum jemand fehlerfrei durchfahren. Doch an Posten 6 schoss ich den Vogel ab. Ich stand gut 50 m unterhalb vom Posten und verstand die Karte nichtmehr. Ich war zuvor am Waldrand abgebogen, zweifelte kurz ob ich einen kartierten Weg langefahren bin oder etwas was es in der Karte nicht gab und ich damit disqualifiziert war. Es brauchte ganze 4 Minuten bis ich wieder wußte wo ich war. Zugegeben eine Kreuzung war auf der Karte auch noch mit einer Postenverbindungslinie überdruckt, aber dennoch hätte ich doch schneller in die Karte zurückfinden müssen. Als ich dann auch noch auf dem Weg zu Posten 8 eine weitere Minute kassierte, weil ich mir nicht sicher war ob das ein Weg ist oder doch nur eine Moosfläche hatte ich bereits aufs Mittelfeld 5 Minuten verloren, die ihrerseits vermutlich schon einige Minuten hinter der Spitze sind. Somit war ich hin- und her gerissen wie ernsthaft ich das Rennen zu Ende fahren sollte oder besser Kraft für die Langstrecke am folgenden Tag sparen sollte. So nahm ich nach einer Weile ein wenig raus, da ich ja wußte, dass ich vielleicht nicht ganz so sehr auf meine Physis wie andere Jahre bauen kann. Zum Ende fuhr eine Russin auf mich auf, mit der ich dann noch ein Stück mitging, bis sie auf eine andere Route einbog. Mein Finale war dann noch ganz gut. Nur leider hatte ich einen Posten ausgelassen, was auch die andere Route der Russin erklärte …

Für die Langstrecke hatte ich mir also einiges vorgenommen. Doch das wäre beinahe gründlich schief gegangen, denn ich schlummerte nach dem Frühstück beim Hörbuch hören nochmal ganz schön tief ein. Gerade noch rechtzeitg machte ich mich auf den Weg ins etwa 100 km entfernte Wettkampfgelände, dass sie westlich von Holstebro befand. Gerade endlich aus Viborg heraus fiel mir auf dass ich gar kein Trikot und damit auch keinen Ersatzschlauch und Multitool eingepackt hatte. Zum Glück waren Martin und Lukas noch da, die einen Ruhetag bei den 6-Tage-MTBO von Viborg hatten. Sie machten sich sogleich auf den Weg mir das Trikot hinterherzufahren. Ich erreichte das Gelände gut 15 min vor der Schließung der Startquarantäne, in der die Starter auf den Start warten müssen, damit sie vom Renngeschehen nicht zu viele Informationen bekommen. Martin und Lukas ließen bei der Durchfahrt zufällig meine Trikots ins Gras fallen. Es ist auch nicht so häufig, dass die Anreise der Zuschauer durch die Quarantäne führt hier war es ja mal praktisch 😉 . Und nach einigen Metern Aufwärmen stand ich gut 1 min vor dem Einlass zum Start am Tor. Doch mist, ich hatte meine SI-Karten vergessen. Also die kleinen elektronischen Chips, mit denen man die Zeit an den Posten registriert. Die waren im längst abgegebenen Rucksack, der vermutlich schon im Ziel auf mich wartete. Zum Glück hatten sie am Start noch Ersatz-Chips liegen. Mit viel Druck auf dem Pedal ging es zu den ersten Posten. Allerdings fühlten die Beine gar nicht so gut an. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass vielleicht der Sattel zu niedrig sei. Von diesen Gedanken abgelenkt navigierte ich zwar sauber durchs Gelände, wählte aber nicht die besten Routen. Weg von Posten 3 noch die schlechteste aller. Inzwischen hatte ich meinen Dämpfer blockiert damit ich nicht so einsinke und damit der Sattel noch niedriger erscheint. An Posten 5 wurde ich von der nach mir gestarteten Britin Clair eingeholt. Von da an arbeiteten wir gut zusammen. Hier und da hatten wir mal unterschiedliche Routenwahlen und sie fuhr mir auch ein klein wenig zu schnell, aber bis Posten 12, zugleich Verpflegungsposten, waren wir gut zusammen. Doch dann konnte ich zunächst meine Flasche nicht und schon einige Meter vom Posten entfernt fiel mir auf, dass ich den noch gar nicht gestempelt hatte. Da stand glaube ich ein anderer Fahrer im Weg. Also kehrte ich sicherheitshalber um und stempelte neu. Danach fiel ich in ein kleines Leistungsloch, was jedoch gerade auch vor einer orientierungstechnischeren Passage kam, so dass es sogar ganz gut war etwas Tempo rauszunehmen. Auf den nächsten 3-4 Posten rabbelte ich mich wieder auf um im Finale nochmal um den Kurs zu drücken. Dies gelang mir dann auch ganz gut und ich erwischte einmal eine richtig gute Route die ich auch souverän fand. Kurz vor dem Ende, suchte ich nach einem breiten Weg, den ich in der Natur nicht finden konnte. Das kostete fast 1 Minute und bedeutete am Ende eine Platzierung schlechter. Mit Platz 14 und dem soliden Rennen konnte ich dennoch ganz zufrieden sein. Klar, mit besserem Training und mehr Ernährungsdisziplin wäre an diesem Tag mehr drin gewesen.

In den O-Technischen Passagen hatte ich nun eine gewisse Sicherheit und so hatte ich Hoffnung, nach einem Ruhetag, im Massenstart vielleicht sogar doch nochmal näher an die Top10 heran zu rücken. Jede Starterin hatte 4 Karten mit Schlaufen die wir in unterschiedlichen Posten-Reihenfolgen anfahren mussten, so dass am Ende alle alle Posten angefahren sind. Ich hatte einen ganz guten Start und eine durch eine schlechtere allerdings sichere Routenwahl nach 15 min ca. 1 min Rückstand auf meine Startgruppe. Wir hatten die längste Schlaufe zu Beginn, aber das muss ja nicht schlecht sein. Allerdings gab es nach dem Rundendurchlauf direkt vor mir einen Zusammenstoß zwischen zwei Fahrern, so dass wir dort zunächst die Stelle absicherten und dann Hilfe holten. Bevor wir unsere Rennen fortsetzen konnten. Ich kam dann auch wieder ganz gut ins Rennen, wenngleich ich natürlich einige Zeit an der Stelle habe liegen lassen. Auf Runde 4 schlichen sich dann immer größer werdende Fehler ein und es brauchte einige Zeit um zu bemerken, dass ich vergessen hatte zwischendurch etwas zu futtern. Ein Gel und ein paar Minuten später legte sich das wieder, aber mein Rückstand war inzwischen riesig und ich hatte dadurch sogar auch noch 2 Positionen abgegeben. So dass ich am Ende auf Rang 38 einfuhr. Natürlich war ich darüber ein wenig enttäuscht, aber ich muss auch einfach anerkennen, dass ich mit meiner schlechten Vorbereitung in diesem Jahr (beginnend im Winter) einfach nicht besonders hübsche Blumentöpfe gewinnen kann und ich dafür mit Platz 14 auf der Langstrecke schon recht viel heraus geholt habe. Meine gute Weltranglisten-Position 14 verliere ich nun durch diese WM. Dennoch, so lange ich unter die Top15 fahren kann und ich Spaß am Rennzirkus habe, gibt es keinen Grund aufzuhören, also bin ich schon jetzt motiviert für das kommende Jahr, das dann hoffentlich wieder glatter läuft. Mit all den Herausforderungen die da kommen mögen.